Hexen arbeiten in Balance, mit den Rhythmen des Mondes und der Gezeiten.
Sie besitzen uraltes Wissen, und sehen hinter den Schleier. Sie sind Heiler, Führer, Beschützer und Lehrer
Gesegnet seien die Hexen, denn sie werden immer magische Geschöpfe sein.
Imbolc
Die Wiederkehr des Lichts
Sieh, wie der dunkle, kalte Morgen langsam dem heimkehrenden Licht weicht. Noch liegt die Welt in ihrer stillen Nacktheit, Zweige ohne Laub, die dem eisernen Tanz des Frostes standhalten.
Verneige dich vor dem kristallenen Atem, der die Erde wie ein uraltes Siegel bedeckt, denn schon bald werden die Eiszapfen zu weinen beginnen und ihre Tränen den ersten Weg ins Leben bahnen.
Wo ist die Wärme der Sonne? Wo ruht das atmende Herz der Welt?
Blicke hinab zur Erde, denn dort, im verborgenen Dunkel, wartet die wiedergeborene Kraft der Natur. Eine kleine Blume, zart und rein weiß, durchbricht die Stille des Schnees.
„Noch nicht“, flüstert sie, „noch wandert der Frost durch die Nächte.“ Doch ihr zitterndes Leuchten verrät die Wahrheit: Ihre Zeit beginnt, unaufhaltsam, wie ein Versprechen, das die Erde selbst gegeben hat.
Sie ist das erste Zeichen, der stille Ruf des Lichts, der Sieg über die Dunkelheit, der im Innersten jedes Wesens erwacht.
Möge das Fest der Brigid dich segnen — mit Klarheit, mit Hoffnung, mit dem zarten Mut des ersten Schneeglöckchens, das weiß, dass der Frühling schon atmet, auch wenn die Welt noch schweigt.
Bildquelle: „KI/Shutterstock.com“
Brigids Gang durch die Imbolc‑Nacht
In der Nacht des Kreuz‑Viertel‑Tages, wenn der Februarvollmond wie ein stiller, weißer Schild über den Himmel steigt, beginnt die Erde unter dem Schnee leise zu pulsieren. Die Alten sagen, dies sei der Moment, in dem Brigid erwacht — die Hüterin des jungen Lichts, die Göttin der Birke, der Heilung und der Inspiration.
Tief im Wurzelreich öffnet sich eine schmale Spalte. Ein zarter Lichtfaden dringt daraus hervor, und aus der Tiefe tritt Brigid hervor. Ihr Haar schimmert wie goldene Birkenruten, und in ihrer Hand hält sie einen frischen Birkenstab, der noch den Duft des aufsteigenden Saftes trägt. Neben ihr schreitet ihr Bär, schwer und warm, ein Wesen, das den Winter kennt und doch schon den Frühling ahnt.
Über ihnen zieht ein Schwan seine Kreise — Brigids heiliger Vogel. Sein Gefieder leuchtet im Mondlicht wie reiner Schnee, und wo sein Schatten den Boden berührt, beginnen die ersten Schneeglöckchen zu erwachen. Zarte weiße Köpfe, die sich durch die Schneedecke schieben, als würden sie der Göttin selbst lauschen.
Brigid setzt ihren Fuß auf die Schneedecke, und sofort beginnt sie zu schmelzen. Unter dem Weiß regt sich das Leben: Samen zittern, Bienen erwachen aus ihrem Schlaf, und die Birkenstämme knacken, als würde ein uraltes Lied in ihnen erwachen.
Die Menschen wissen um diese Nacht. Schon am Abend haben sie ihre Häuser gereinigt, Birkenzweige über die Türschwellen gelegt und kleine Lichter in die Fenster gestellt — Kerzen, die das wiederkehrende Licht begrüßen. Manche haben eine Schale mit Milch oder Honig vor die Tür gestellt, andere ein Stück Brot oder ein paar Körner. Es sind Einladungen, stille Bitten:
„Brigid, komm in unser Haus. Segne unser Feuer. Segne unser Jahr.“
Und Brigid hört sie.
Sie wandert durch die stillen Wege des Dorfes und ihr Schwan gleitet an ihrer Seite dahin, sein Flügelschlag kaum mehr als ein Lied aus Licht und Atem.
Dort, wo ihr Birkenstab den gefrorenen Boden berührt,
erhebt sich ein leiser Schimmer — ein erster, zarter Hauch von Frühling,
der wie ein Versprechen im Schnee erglimmt.
Wenn sie vor einem Haus stehen bleibt, senkt sich für einen Herzschlag lang eine tiefe Stille.
Der Bär setzt sich schwer und schweigend neben sie, als wache er über den Moment,
und der Schwan gleitet hinauf auf den Dachfirst, sein weißes Gefieder ein stiller Segen über dem Heim.
Brigid hebt ihren Birkenstab und zeichnet ein unsichtbares Lichtzeichen über die Tür. Ein warmer Hauch breitet sich aus, und die Kerzen im Inneren flackern auf, als würden sie sie begrüßen. Die Menschen, die im Halbschlaf liegen, spüren es wie einen sanften Traum: eine Hand, die über ihre Stirn streicht, ein Licht, das durch die Ritzen dringt, ein Gefühl von Frieden.
In manchen Häusern lässt sie ein Schneeglöckchen zurück — auf der Fensterbank, im Herd, auf dem Tisch. Ein stilles Zeichen, dass sie da war.
Aus den Wäldern treten die alten Wintergeister hervor, knorrige, schiefe Gestalten, die noch nicht gehen wollen. Doch als sie Brigid sehen, senken sie ihre Häupter. Sie nehmen die kleinen Opfergaben an, die die Menschen hingelegt haben, und ziehen sich zurück in die Schatten, wissend, dass ihre Zeit endet.
Wenn der Morgen graut, ist Brigid längst verschwunden. Doch überall, wo sie gegangen ist, blühen Schneeglöckchen im Schnee. Die Häuser duften nach Birke und Licht. Und die Menschen wissen:
Die Göttin war hier. Das Jahr hat neu begonnen.
Kleines Waldritual für Brigid
Suche dir einen stillen Platz im Wald, am besten dort, wo Birken wachsen und der Schnee schon erste Lücken zeigt. Lege deine Gaben bereit:
- eine kleine Räuchermischung (z. B. Birkenrinde, Fichtennadeln, Wacholder, etwas Fichten- und Kiefernharz)
- eine weiße Kerze
- ein paar Schneeglöckchen oder, wenn nicht verfügbar, ein Symbol dafür (ein weißes Band)
- eine Schale Milch
- ein kleines Stück Brot
- ein paar Eicheln
Stelle alles auf ein Tuch oder direkt auf die Erde.
(Bitte an Räucherschale und Untersetzer für die Kerze denken)
Vorsicht bei Feuer!
Stehe still, atme tief ein und sprich leise:
„A Bríde, Licht der Erde, ich trete ein in deine Schwelle.“
Zünde die Räuchermischung an. Lass den Rauch langsam aufsteigen, reinige dich in dem Rauch. Dann entzünde die Kerze.
Lege zuerst das Brot auf die Erde, dann die Schneeglöckchen oder ihr Symbol, und stelle die Schale Milch daneben. Lege die Eicheln dazu.
Sprich:
„Für die Erde,
für die Wesen des Waldes,
für das wiederkehrende Licht.“
Der Rauch soll über die Gaben ziehen — als Einladung an Brigid und die Naturgeister.
Gehe zu der Birke die dir am nächsten steht und gehe einmal langsam um sie herum. Sie ist Brigids heiliger Baum, Hüterin des Neubeginns.
Berühre sanft ihre Rinde und flüstere:
„Beannacht ort, a Bheithe — Segen dir, weiße Birke.“
(„Beannacht ort“ = „Segen über dir“)
Lehne dich an sie und verbinde dich mit ihr.
Kehre zu deinen Gaben zurück. Halte die Hände über die Milchschale, als würdest du Wärme sammeln.
Sprich:
„Brigid, Tochter des Lichts, geh mit mir durch die dunklen Tage. Segne meinen Weg, segne mein Haus, segne mein Herz. Wie das Schneeglöckchen den Frost durchbricht, so breche auch ich hervor aus allem, was mich bindet. Möge dein Feuer in mir erwachen.“
Verneige dich leicht. Lass die Gaben im Wald — sie gehören der Erde. Nimm nur den Duft des Rauches und das Licht in deinem Inneren mit zurück.
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